Das Ziel von SIDATIM ist die Stärkung der biobasierten Wirtschaft in Europa durch die Erforschung und Förderung neuer Landnutzungskonzepte, die 1) innovative, vielseitig einsetzbare Pflanzenarten und 2) neue Bewirtschaftungsansätze umfassen. Zu diesem Zweck haben sich Forschungsorganisationen und Akteure aus vier europäischen Ländern zusammengeschlossen.

Sida-Versuchsfläche
Sida-Versuchsfläche

Ein Aufgabengebiet innerhalb von SIDATIM beschäftigt sich mit der Untersuchung der Leistung von Sida hermaphrodita, einer nordamerikanischen Pflanzenart, die auf Feldern in Polen bereits zu einer vielversprechenden Steigerung der Ernteerträge geführt hat. Bei Forschern und Fachleuten in Westeuropa hat sie bisher jedoch nur wenig Beachtung gefunden. Sida kann beispielsweise in der Biogasproduktion als Alternative zu Mais oder in Kurzumtriebsplantagen (KUP) als Alternative zu Energieholz verwendet werden. Erste Forschungsergebnisse deuten außerdem darauf hin, dass sie als Grundmasse für verschiedene materielle Erzeugnisse, z. B. Faserprodukte, Spanplatten oder Isolierplatten, und als Ersatz für Torf dienen kann. Sida scheint hervorragend für die Phytosanierung geeignet zu sein, kann aufgrund ihres hohen Proteingehalts als Futtermittel verwendet werden und ihre Blüten bieten reichlich Pollen und Nektar für bestäubende Insekten. Dieses Aufgabengebiet ist im Forschungsbereich SIDATEST zusammengefasst.

Im zweiten Forschungsbereich mit dem Namen AGROTIM soll das Wissen über die Herstellung von wertvollem Nutzholz im Landwirtschaftssektor vorangetrieben und gefördert werden. Der kombinierte Anbau von land- und forstwirtschaftlichen Nutzpflanzen nennt sich Agroforstwirtschaft. AGROTIM konzentriert sich besonders auf das Konzept der „marginalen Agroforstwirtschaft“, bei der Bäume für die wertvolle Nutzholzproduktion nur an Ackerrandstreifen zwischen bereits vorhandenen Hecken oder zwischen Feldern an Böschungen und Hängen mit geringem ökologischen Wert gepflanzt werden. Auf diese Weise werden die negativen Auswirkungen der Bäume auf die Nutzpflanzen aufgrund von Schattenwurf minimiert, während ihre positiven Effekte – z. B. Reduzierung von Erosion, Windschutz und ökologische und ästhetische Aufwertung der Landschaft – mit attraktiven Zusatzerträgen für die Landwirte einhergehen.

Letztlich wird SIDATIM das ökonomische und ökologische Potenzial des Anbaus von Sida in Kombination mit wertvollen Nutzhölzern bewerten und modellieren, um eine verstärkte aber dennoch diversifizierte Landwirtschaft auf lokaler und regionaler Ebene in verschiedenen europäischen Ländern zu fördern. Das Projekt betrifft sowohl Landwirte als auch Biomasse-Verbraucher aus dem industriellen Umfeld, wendet sich aber auch an Entscheidungsträger und andere Wissenschaftler, die im Bereich der Agroforstwirtschaft tätig sind.

Diskussion am Versuchsfeld der Universität Stettin im Juli 2016 (v. l. n. r.: Dr. hab. Ing. Marek Bury, Dr. Ing. Malgorzata Wlodarczyk, Reent Martens, Dr. hab. Teodor Kitczak, Prof. Dr. hab. Henryk Czyz)
Diskussion am Versuchsfeld der Universität Stettin im Juli 2016 (v. l. n. r.: Dr. hab. Ing. Marek Bury, Dr. Ing. Malgorzata Wlodarczyk, Reent Martens, Dr. hab. Teodor Kitczak, Prof. Dr. hab. Henryk Czyz)

Laufzeit

01.05.2016 bis 30.04.2019