Ein Multitalent auf der "Roten Liste"

Da Sida hermaphrodita Rusby nur geringe Standortanforderungen hat, stellt sich die Frage, warum diese Pflanze zu den stark gefährdeten Arten gehört.
In ihrer Heimat Amerika sollte sie eigentlich weit verbreitet sein, natürliche Bestände findet man jedoch nur noch an Flussläufen, Straßenrändern und auf Eisenbahngeländen in West Virginia und Ohio und an den Wasserläufen des Great Lake.
Die natürlichen Lebensräume der Sida sind Auwälder und unberührte Flussläufe. Die Samen fallen dort auf feuchten Boden und die Samenschale wird aufgeweicht. Das bricht die starke Dormanz und erleichtert das Keimen. Die Samen werden also auf natürliche Weise aufbereitet. Unaufbereitetes Saatgut hat eine Keimfähigkeit von lediglich ca. 6,6 % (Thomas 1979)1. Diese natürlichen Lebensräume der Sida werden immer seltener. Flüsse
werden begradigt und die fruchtbaren Auwälder werden kultiviert. Auf Grenzstandorten wächst Sida auch, hat aber aufgrund der starken Dormanz keine hohen Keimzahlen und da die Bedingungen dort nicht optimal sind, kann sie ihr volles Wachstumspotenzial nicht ausschöpfen. Durch die Zerstörung ihrer natürlichen Lebensräume ist es nur ihrer Fähigkeit auf degradierten Böden zu wachsen zu verdanken, dass sie noch nicht ausgestorben ist.

Bei der Saatgutherstellung werden die Samen mit Hormonen behandelt, vertikutiert, vor der Aussaat eingeweicht oder auf andere Weise aufbereitet. Dadurch kann die Keimfähigkeit auf bis zu 92 % erhöht werden. (David M. Spooner et. al) Was aber in der Natur als Nachteil angesehen werden kann, kann für die Kultivierung der Pflanze durchaus von Vorteil sein.
In Regionen, in denen Sida nicht heimisch ist, kann sie bedenkenlos angebaut werden, da das Auswilderungspotential sehr gering ist. Dadurch werden Naturschutzkonflikte unwahrscheinlich.2


Quellen:
Wo nicht anders angegeben ist die Quelle:
"OBSERVATIONS ON THE DISTRIBUTION AND ECOLOGY OF SIDA HERMAPHRODITA (L.) RUSBY (MALVACEAE)" von:
DAVID M. SPOONER, Department of Botany, The Ohio State University, Columbus, OH 43210, U.S.A.
ALLISON W. CUSICK, Ohio Dept. of Natural Resources, Division of Natural Areas & Preserves, Columbus, OH 43224, U.S.A.
GEORGE F. HALL, Department of Agronomy, The Ohio State University, Columbus, OH 43210, U.S.A.
JERRY M. BASKIN, School of Biological Sciences, University of Kentucky, Lexington, KY 40506, U.S.A.

1 L. K. Thomas JR., "Distribution and ecology of Sida hermaphrodita a rare plant species", 1979
2 Universität Hohenheim in Zusammenarbeit mit der Akademie für Natur- und Umweltschutz und der FNR, Pressemappe der 38. Umwelttagung, "Universität Hohenheim –
Im Spannungsfeld zwischen Energie, Ernährung, Klimaschutz und Biodiversität: Biomasseerzeugung nachhaltig entwickeln" S. 14 von 14.