Sida hermaphrodita l. rusby oder Virginiamalve ist eine Pflanzenart der der Familie der Malvengewächse (Malvaceae). Sie ist auf trockenen und sonnigen Standorten in Nordamerika beheimatet. Ihre Trivialnamen im Verbreitungsgebiet sind "Virginia mallow" oder "Virginia fanpetals".

Sida hermaphrodita ist eine ausdauernde krautige Pflanze mit Wuchshöhen von 1,2 bis 4 Metern mit stark verzweigt, aufrechten Stängeln. Die gestielten Laubblätter
besitzen eine tief gelappte Blattspreite mit drei bis sieben lanzettlichen Spitzen ähnlich dem Arhornblatt. Der Blattrand ist eingeschnitten gesägt. Die weißen kleinen Blüten stehen in Rispen zusammen. Die Kelchblätter sind kurz dafür aber breit ausgebildet.

Die kleinen weißen Blüten weisen nur einen Durchmesser von 1 bis 2 Zentimeter auf. Die Kelchlappen sind kurz und breit ausgebildet. Die lang eiförmigen Kronblätter sind zugespitzt.
Sida blüht von Ende June bis Ende Oktober / Anfang November.

Wenn man Sida als Tierfutter oder Biogassubstrat einsetzten möchte, sollte man sie im Herbst im belaubten Zustand ernten oder sogar während der Vegetationsperiode. Bei zweimaliger Ernte während der Vegetationsperiode sollen TM-Gehalte von 40-60 % erreicht werden können und ein Ertrag von 100 t FM/ ha. Experten halten es aber für fraglich ob dieses Verfahren uneingeschränkt möglich ist.
Verwendung findet die Pflanze in vielen Bereichen. Aufgrund ihres hohen Proteingehaltes von 27-30 %, der dem der Luzerne ähnelt, ist sie eine landwirtschaftliche Nutzpflanze. Sie ist aber ebenso für Imker interessant, da sie bis zu 120 kg/ha Honig liefern kann. Als Energiepflanze kann sie als Biogassubstrat, Biokraftstoffsubstrat oder als Festbrennstoff eingesetzt werden. Zudem eignet sie sich als Material zur Herstellung von Dammstoffen oder Zellulose.

Als weitere Nutzungsoption wird Sida zur Rekultivierung von chemisch degradierten Standorte und Klärschlammablageflächen gesehen. Hier wird die gute Fähigkeit der Aufnahme von hohen Nährstoffmengen und Schwermetallen und ihre gute Verwertung von Sida unterstrichen.

Standortansprüche
Sida kann nach unseren Erfahrungen auf fast allen Standorten mit einer guten Wasserversorgung angebaut werden. Die Standortbedingungen beeinflussen, genauso wie bei anderen Kulturen Ertrag und Qualität,.

Bestandesbegründung - Saat und Pflanzung

Ab Mitte Mai kann Sida gesät oder gepflanzt werden. Eine Pflanzung mit üblichen Kohl- oder Erdbeerpflanzmaschinen und verschafft den Pflanzen einen Vorsprung vor Unkräutern und ermöglicht eine bessere und schnellere Etablierung des Bestandes der gewünschten Pflanzenzahl pro m². Ohne Ausnahme sind die Pflanzkosten vergleichsweise hoch, wenn dies nur für sich betrachtet wird. Auf die Dauer der Kultur (15-20 Jahre) relativieren sich die Kosten aber. Ein einfacheres und im Vergleich zur Pflanzung deutlich kostengünstigeres Verfahren ist die Drillsaat. Das Saatgut weist jedoch hohe Schwankungen in der Keimfähigkeit auf. Deshalb sollte vor Aussaat ein Keimfähigkeitstest erfolgen um einen ausreichenden Feldaufgang und eine gleichmäßige Verteilung der Pflanzen auf der Fläche zu realisieren.

  • Pflanzdichte: 5 bis 8 Pflanzen/m²
  • Saatstärke: 500 g/ha (Keimfähigkeit testen und Saatstärke dementsprechend ggf. erhöhen)
  • Reihenabstand: 37,5 cm
  • Saattiefe: 0,5 bis 2 cm

Bestandespflege
Um einer Verunkrautung in der Jugendentwicklung zu unterdrücken, bieten sich aufgrund nicht zugelassener Herbizide mechanische Unkrautbekämpfungsmaßnahmen an.
Im zweiten und den folgenden Jahren sind in ausreichend dichten Beständen in der Regel keine Maßnahmen mehr erforderlich. Leerstellen in den Beständen sollten nachgepflanzt werden, um ein Verunkrautung zu unterbinden. Es hat sich in unseren Breiten (Nordwestdeutsche Tiefebene) gezeigt, dass je nach Witterungsbedingungen und Vorfrucht mit einem Befall von Sklerotinia gerechnet werden muss. Kohlartige Früchte wie Raps oder Rübsen, aber auch Hanf sollte als Vorfrucht gemieden werden.

Nährstoffversorgung

Im ersten Jahr sollte man nicht zuviel des Guten tun, es Im ersten Jahr sollte man nicht zuviel des Guten tun, es reicht eine verhaltene Düngegabe aus. Die Düngung ab dem zweiten Jahr orientiert sichan den Standort- und Nährstoffbedingungen . Bei Stickstoff sollte der Nmin-Wert im Boden mit berücksichtigt werden. Bei allen anderen Nährstoffen sollte die angegebene Nährstoffmengen die Gehaltsklasse C angestreben.

Im ersten Jahr sollten folgende Mengen gedüngt werden

  • Stickstoff: 50 kg/ha
  • P2O5: 68 kg/ha bzw. bis Gehaltsklasse C
  • K2O: 72 kg/ha bzw. bis Gehaltsklasse C

Ab dem zweiten Jahr steigt die Düngegabe an

  • Stickstoff: 120–150 kg/ha Sollwert
  • P2O5: 135 kg/ha bzw. bis Gehaltsklasse C
  • K2O: 145 kg/ha bzw. bis Gehaltsklasse C

Die Düngung kann mineralisch oder organisch, mit Gülle oder Gärresten im Frühjahr zum Neuaustrieb, erfolgen.

Ernte
Wie andere Dauerkulturen bildet die Sida im ersten Jahr überwiegend ihre unterirdischen Pflanzenteile aus. Eine Ernte ist aufgrund des geringen Aufwuchses nicht rentabel. Es empfiehlt sich, den Bestand nach dem Winter zu mulchen. Erst im zweiten Jahr wachsen die Pflanzen in die Höhe und bilden einen erntewürdigen Bestand. Zur Beerntung eignet sich am besten ein Maishäcksler mit reihenunabhängigem Schneidwerk. Der Erntetermin für das Malvengewächs richtet sich in erster Linie nach der Nutzungsrichtung. Wenn das Erntegut als Substrat für die Biogasgewinnung einsiliert werden soll, wird der Bestand, je nach Aufwuchs, ein- bis zweimal pro Jahr geerntet. Der erste Schnitt findet im Juli statt. Er erreicht in der Regel silierfähige 28 % Trockensubstanz und bildet den Hauptteil des Jahresertrags. Wächst der Bestand gut nach, kann im Oktober ein zweites Mal geerntet werden. Der gewünschte TS-Gehalt von 28 % wird hier erfahrungsgemäß nicht mehr erreicht und auch der Ertrag fällt geringer aus als beim ersten Schnitt. Es bietet sich an, diesen Aufwuchs in Mischung mit Mais abzuernten und einzusilieren. Für die thermische Nutzung bleiben die Pflanzen, ähnlich wie Miscanthus, über Winter auf dem Feld. Die Blätter fallen ab, die Pflanzen verholzen, der Bestand trocknet und wird zwischen Februar und April bei einem lagerfähigen TS-Gehalt von über 80, besser 85 % geerntet.